Was ein Kommentar bewirken kann

03.12.2009 | Peter | Kommentieren

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Das erste Mal drückte ich in meiner WordPress-Technik nicht den Button “Veröffentlichen”, da ich einen Kommentar erhielt, der schlichtweg zu gut formuliert und interessant war, als ihn dort untergehen zu lassen. Per Email-Kontakt fragte ich nach und so stelle ich Euch nun den aus Bonn stammenden jungen Mann Jonas Malte Scheler vor, der sich den Modewissenschaften am “Centre for Fashion Studies, als auch dem Journalismus an der Universität in Stockholm verschrieben hat. Nebenbei begleitet er als Freelancer die Modewochen in Stockholm und Kopenhagen. Sein Beitrag bezieht sich auf das von mir vorgestellte Restaurant Riche, denn nichts liest sich spannender als Insiderwissen! Per Klick…

“Für viele Stockholmer ist das Riche mehr als nur ein ästhetisch ansprechendes Restaurant. Etliche Geschichten und Gerüchte ranken sich um dieses Lokal einschließlich seiner Bar.

Wer des Schwedischen mächtig ist, möge sich einfach die unten aufgelisteten Kritiken durchlesen, um das (Stockholmer) Phänomen Riche ein bisschen besser zu verstehen.

Das Riche ist Stockholms “Mediehak”, vergleichbar mit dem “Borchardts” in Berlin oder mit Dietls fiktivem „Rossini“ in München.

An Wochenenden drängen sich zu später Stunde die Gäste dicht an dicht. Das Durchkommen von der kleinen Bar (”Lilla Baren”) ins Restaurant ist an diesen Tagen ohne direkten Körperkontakt mit den anderen Gästen unmöglich. Vor der Tür anstehende Gäste werden der hohen Gästeanzahl wegen nicht selten mit dem Hinweis “Bara Stammisar!” – nur Stammgäste – abgewiesen.

Wie die Stammgäste definiert werden, weiß nur das inoffizielle und definitiv sehenswerte Moodboard in der Küche des Restaurants. Ein kleines, in englischer Sprache verfasstes Schild neben der Eingangstür der Lilla Baren entschuldigt sich für dieses für Schweden sonst nicht typische und undemokratische Auswahlverfahren.

Bekannt ist das Restaurant auch als Treffpunkt für die schönen und attraktiven Mädchen und Damen der Stadt. Angebaggert werden und Anbaggern gehört im Riche zur Tagesordnung, es ist eine “hederligt raggställe” – ein anerkannter Ort der Anbahnung von Beziehungen.

Das Buhlen um die Gunst der Frauen wird härter, wenn die Fußballer-Nationalhelden Larsson, Ljungberg und Zlatan dazustoßen. Der Gang durch die von beiden Restaurants gemeinsam genutzte Küche bietet den Herren nach ausgiebigem Dinieren der Nationalmannschaft im anliegenden Luxusrestaurant Teatergrillen eine willkommene Gelegenheit zu einem Abstecher ins Riche.

Einen Teil der Popularität und landesweiten Bekanntheit verdankt das Riche auch dem schwedischen Kult-Komikerduo Fredrik & Filip, das 2005 im schwedischen Fernsehen mit dem Programm Grattis Världen! (“Congratulations to the world!”) das Riche als das endgültige Ziel nach einem Welttrip von Neuseeland bis Südafrika erkor und dort die Reise mit Gesang, Gitarre und Bier beendete.

Im Vergleich zu allen anderen Lokalitäten der Stadt wird im Riche laut Personal das meiste Trinkgeld gegeben. Neben einer zweiten Etage gab es vor ein paar Jahren auch noch die Möglichkeit, als Stammgast einen eigenen Schrank mit privatem Alkoholvorrat zu haben. Ein Bier kostet hier 62 Kronen (rund € 6), Stammgäste zahlen 50 Kronen. Wer in der Gunst und im Ansehen noch höher steht,  bekommt das “P-Öl”; das Personal-Bier der Angestellten für 30 Kronen.

Zu erwähnen sind ebenso die überaus freundliche Bedienung, Jonas Dahlbergs Kunst-Installation mit Überwachungskameras auf den Toiletten und die regelmäßig wechselnden Ausstellungen mit Künstlern wie z.B. Liselotte Watkins, die unter anderem bereits für Miu Miu tätig war. Besonders schön ist die Atmosphäre in den Sommermonaten, wenn die Fenster zur Straße alle weit offen stehen oder immer wieder, wenn sich Bands wie Phoenix & Co zu Spontanauftritten in der “Lilla Baren” überreden lassen.

Und weil Whyreds Chefdesigner Roland Hjorth einer der besagten Stammgäste ist, wird das Personal übrigens von selbiger Marke eingekleidet.

Über das Riche, die Hasslieben und Mythen kann man hier mehr lesen:

http://www.metro.se/se/article/2008/12/11/21/0829-65/index.xml
http://www.pastan.nu/bloggen/inlagg/711
http://www.svd.se/kulturnoje/krog/artikel_32258.svd

Vielen Dank, Jonas, dass Du uns daran hast teilnehmen lassen. Wir hoffen, auf La-Liste noch mehr von Dir zu lesen!

(Das Photo zeigt Jonas bei der Arbeit / © StyleSight )

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