`Modeblogger-Institution´ Scott Schuman im Gespräch

20.05.2010 | Pepe | Kommentieren

scott-schuman-uschka-pittroff

Uschka Pittroff & The Sartorialist

Wertheim Village hatte zu einer Blogger Convention eingeladen und mit keinem Geringeren als Scott Schuman persönlich aufgewartet. Anwesend waren Blogger, Journalisten und Studenten der AMD Düsseldorf. Höhepunkt der Veranstaltung war eine offene Diskussion mit dem Sartorialist. Durch Uschka Pittroff als Gesprächsführerin (Gründerin von Stylesublime, Gründerin von Amica und Chefredakteurin des bedauerlicherweise eingestellten Magazins FiveToNine) konnte die Diskussionsrunde nur zu einem persönlich gewinnbringenden Event werden, mitunter durch die lockere Atmosphäre, die die Teilnehmer zu einem regen Austausch mit Herrn Schuman einladen ließ. Auf charmante Weise gab er Hintergrundinformationen und lieferte Tipps für aufstrebende Blogger.

Nun aber erstmal genug meiner Worte: Tauchen wir lieber ein in die Gedankenwelt Scott Schumans…

Mit der Kernaussage “Create your own brand!” lässt sich wohl am Besten erklären, wie er es zum bekanntesten Streetstyle-Blogger geschafft hat und empfiehlt deshalb das Buch Brand you 50. Nichts desto trotz sei es zunächst einmal essential, sich selbst zu finden. Er habe zwar zu Beginn eine genaue Vorstellung gehabt, wer “The Satorialist” ist, wie er aussieht und was er anzieht, jedoch habe er keine Kunstfigur geschaffen, sondern sich ausschlieĂźlich selbst gefunden. FĂĽr die einen mag es esoterisch klingen, ich persönlich bewundere sein Credo, da es ein hohes MaĂź an Selbstreflexion und Entschlossenheit bedarf. Vor allem wenn man bedenkt, dass er seinen Blog in einer Zeit startete, in der man noch als Modeblogger belächelt wurde und er sich von den letzen Reihen am Bryant Park peu Ă  peu zur Front Row durchkämpfen musste.

Aber zurück zu seinem Erfolgsrezept, das er mit Selbsttreue und dem Glauben an eine Vision ergänzt. Ebenso wichtig sei es, seinen Stil zu finden, ob die eigene Schreibe, visuell oder audiovisuell. Mit Sicherheit sei ein gewisses Level an Talent unentbehrlich und ein stimmiges Konzept sei genauso von Bedeutung. Seine Stärke sieht er eindeutig im Visuellen, wobei er sich als Editor und Photograph zugleich versteht.

Den Effekt seiner Bilder entschlĂĽsselt der Amerikaner damit, dass er nicht auf Trends aus ist, sondern darum bedacht, mit den Augen der Designer zu fotografieren. So erklärt sich, weshalb bei ihm keine aktuellen Hypes zu sehen sind, wenn gleich auch klar ist, dass so manch ein KleidungsstĂĽck oder Look durch einen seiner Posts Nachahmer findet und damit einem Trend der Weg geebnet ist. Aber das ist eine andere Sache. Was seine Motive anbelangt, so fällt ihm besonders das “Aus-der-Reihe-Fallende” ins Auge. Hier sieht er sich auch als Inspiration fĂĽr Designer, denn einiges sei bereits in Kollektionen eingeflossen oder habe sie gar angeregt.

Zum Thema Streetstyle ist Schuman der Auffassung, dass es nicht darauf ankommt, bloĂźe Outfits abzulichten, vielmehr gilt es den modischen Geist von Zeit und Raum einzufangen. “The Sartorialist” fotografiert nach eigenen Angaben nicht die Kleidung, sondern die Persönlichkeit, die in ihnen steckt. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt. FĂĽr ihn hat das Ganze einen romantischen Bezug, wobei er zugleich eine Diskussion mit seinen Veröffentlichungen anregen will. Dabei muss man sich aus der Eindimensionalität entfernen und perspektivisch denken. In seinen Bildern spielt daher die Location nicht zufällig eine groĂźe Rolle, sie verleiht den Portraits einen urbanen Kontext.

Zum Thema Kommerzialisierung von Blogs hat Scott Schuman einen klaren Standpunkt. Für ihn ist eine klare Trennung von Werbung und Inhalt unabdingbar. Anzeigekunden sieht er als Mäzen, die vom positiven Image des Blogs profitieren, wobei vor allem die beachtliche Zahl täglicher (!!) Seitenaufrufe von ca. 240.000  für sich sprechen dürfte. Der Blogger läuft Gefahr unglaubwürdig zu werden, sobald sich Einflüsse des Sponsors in den täglichen Post reflektieren.

Neulingen gibt er auf den Weg, sich nicht zu scheuen einen Blog zu starten, denn quantitativ mag der Markt vielleicht gedeckt sein, jedoch nicht bezogen auf Qualität. Demnach nicht entmutigen lassen von der breiten Masse an Blogs, vor allem wenn man eine klare Meinung vertritt. Allerdings kommt es auf Relevanz und Aussagekräftigkeit an und demnach spielt Lebenserfahrung und Wissen eine erhebliche Rolle.

Auf die Frage hin, ob Mode für ihn Kunst sei, antwortete der gelernte Textilkaufmann, dass Mode ein Handwerk ist. Dabei hält er die Saisonalität für irrelevant, da Kleidung zum Lebensstil des Trägers passen sollte. Somit sind für ihn Shopping Outlets wie das Wertheim Village völlig legitim und tragen zur Demokratisierung der Mode bei.

So weit, so gut! Ich hoffe, euch die Diskussion nachvollziehbar dargestellt zu haben. Peter und mir hat der Tag als Plattform zum Austausch mit anderen Bloggern gefallen und Scott Schuman machte einen sehr sympathischen Eindruck. Er ist halt ein Entertainer! Sich selbst betrachtet er ĂĽbrigens als KĂĽnstler.

scott-schuman-fans

PS: Da Peter und ich noch die Möglichkeit  hatten, Mr.Sartorialist persönlich zu interviewen, folgt in den kommenden Tagen ein weiterer und etwas kleinerer Beitrag zum “Herrn der Kleider”!

Photos: La-Liste.de

3 Kommentare zu “`Modeblogger-Institution´ Scott Schuman im Gespräch”

  1. Laura sagt:

    Also, ich muss sagen, der Kerl ist mir ungemein sympathischen. Hatte Dienstag Abend einen kleinen E-Mail-Chat mit ihm ĂĽber Frankfurt und natĂĽrlich – wie könnte es anders sein – Mode und erstaunlicherweise hätte er sich wohl tatsächlich mit mir auf einen Kaffee getroffen, wenn unsere Zeitpläne kompatibler gewesen wären.
    Das nenn ich mal “auf dem Boden geblieben”!

    Liebe GrĂĽĂźe
    Laura

  2. Antonin sagt:

    Da kann ich dir nur voll zustimmen, war ehrlich gesagt selbst auch ĂĽberrascht ĂĽber seine offene und lockere Umgangsweise, aber er ist eben auch Profi.

    FĂĽr welches Magazin / Blog hast du ihn interviewt?

  3. Laura sagt:

    Hab mich privat mit ihm unterhalten. Eigentlich war ich nur neugierig, was er in Frankfurt vorhat, weil ich auch hier wohne. So wirklich mit einer Antwort gerechnet hab ich nicht, aber keine fünf Minuten später war sie da ;-)

Antwort

Ein Kommentar-Profilbild erhältst du durch die Registrierung auf gravatar.com