Julius Shulman & die Werke einer Ära

30.07.2009 | Jérôme | Kommentieren

04352_ka_case_study_02

© Julius Shulman/Getty Research Institute

Im wahren Leben erfahren Künstler erst dann Ruhm und Anerkennung, wenn sie bereits verstorben sind. Julius Shulman hatte das Glück, dass er für seine Arbeiten als Fotograf gewürdigt wurde, bevor er am 15. Juli 2009 die Ära der Architekturfotografie der kalifornischen Moderne für immer beendete.

Julius Shulman, geboren am 10.Oktober 1910 in Brooklyn/New York, war Sohn jüdischer Emigranten. Nachdem er die High School abgeschlossen hatte, versuchte er seine Berufung auf den Universities of California in Los Angeles und Berkley zu finden. Eine sicherlich normale, berufliche Selbstfindungsphase, die erst 1936 durch einen Zufall Klarheit fand. Durch die Aufnahme der Kun Residence von Richard J. Neutra mit einer alten Kodak-Kamera wurde sein Talent, Gebäude mit der Intention des Architekten festzuhalten, entdeckt. Jahre später brachte es Frank Lloyd Wright in seiner emotionalen Verfassung auf den Punkt: ”Shulman, endlich mal ein Foto von einem, der verstanden hat, was ich aussagen will.”

Neben Wright waren es ebenso Oscar Niemeyer und Pierre Koenig, die ihm dankend gegenüber traten. Pierre Koenig vor allem hatte ihm auch deshalb zu danken, da erst durch Shulmans Fotografie seine Architekur bekannt wurde. Ein weiterer Verehrer seiner Arbeit, als auch sein Verleger und guter Freund war Benedikt Taschen. Shulman zu Ehren wurde eine limitierte Sonderedition von sechzig signierten und unter Plexiglas schwarz gerahmten Silbergelatine-Prints herausgebracht. Jedes Einzelne ist einzigartig und monumental.

Shulman hatte die Gabe, Ecken, Kanten, Rundungen von Bauten, als auch Weißes wie Schwarzes einer Wand, seiner Umgebung anzugleichen und es photographisch festzuhalten. Alles wiegt sich in Harmonie. Felsen ragen im Hintergrund empor, im Tal erscheint die leuchtende Stadt bei Nacht und dennoch liegt das Gebäude im Einklang mit der Natur. Die Photographien wecken Emotionen beim Betrachter: Mal ist man gefesselt von der Ruhe, mal ist es die Dramatik der Szenerie, die einem fast den Atem raubt.

Die Bewohner der Häuser, wie beispielsweise zwei Damen in Cocktailkleidern bei der Aufnahme des Case Study House Nr. 22 (1960), wurden in Bilder miteingebunden. Inwiefern Menschen bei seinen Arbeiten Bestandteil der Photographie wurden, erklärt Julius Shulman in einem Live-Interview hier auf Taschen.com im Jahre 2007 noch selbst.

Spiegel-Online beschrieb das Ausmaß seiner Arbeit wohl am Treffendsten: “Die führenden Architekten der Zeit ließen ihre Bauten von Shulman in Szene setzen - und wer sich heute an die amerikanischen Bauwerke der Nachkriegs- und Kennedy-Jahre erinnert, denkt dabei vielleicht unbewusst in Bildern von Shulman.”

xl_shulman_mr2_01

Neben den signierten Prints griff Taschen zum Gedenken noch einmal “Julius Shulman, Modernism Rediscovered, 3 Vols” auf. Dabei handelt es sich um ein Werk aus drei Bänden mit über 400 weiteren architektonischen Kostbarkeiten. Alle Exemplare wurden aus dem Privatarchiv, bestehend aus über 260.000 Photographien, ausgewählt. Somit greift dieses Triptychon der Werksammlung nicht nur die kalifornische, sondern auch die Architektur der gesamten USA, Hongkong, Mexiko und Israel auf. Darüber hinaus ist es vervollständigt mit Texten, basierend auf Interviews mit dem Künstler, sowie mit von Shulman selbst verfassten Biographien zu den wichtigsten Architekten.

Die bedeutendsten, als auch informativsten Gedanken zu der Person Julius Shulman erhält man hier in einem Wort des Rückblicks von seinem langjährigen Freund und Nachbarn Benedikt Taschen.

Julius Shulman verstarb mit 98 Jahren.

( Buff, Straub & Hensman  -  Case Study House No. 20, Bass House, Altadena, California, 1958  -  By Courtesy of Taschen.com)

Dieser Eintrag wurde gepostet am Donnerstag, den 30.07.2009 um 02:49 Uhr unter Kaminzimmer. Du kannst alle Reaktionen auf diesen Post im RSS 2.0-Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von deiner Seite setzen.

3 Kommentare zu “Julius Shulman & die Werke einer Ära”

  1. lieber peter,

    gerade kamen die press-clippings rein, dein artikel ist auch aufgelistet. glückwunsch.

    alle kollegen bei TASCHEN werden nun deinen beitrag lesen :-)

    gruß

  2. Jérôme sagt:

    Oh wie erfreulich!!!! You made my day, René! Wirklich!!!

Antwort

Einen Gravatar erhältst du durch die Registrierung auf gravatar.com