
Das Plakat zum Film
Es gibt Pressemeldungen bei denen ich erst gar nicht überlege, ob sie online gehen oder nicht, denn wenn es um YSL geht, bin ich immer dabei. Erstrecht wenn es sich um eine Dokumentation handelt, die das Leben und die Beziehung von Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent und Pierre Vital Georges Bergé schildert, die jetzt auf DVD erschienen ist. Somit kommen wir hier in Deutschland auch mal in den Genuss und da nehme ich das gleich mal zum Anlass und erzähle Euch das, was ich bisher über die Beziehung gelesen habe.
Der Titel “L’amour fou” scheint nämlich nach meinem Wissensstand völlig angebracht, denn die beiden Männer waren voller Gegensätze. Yves, aufgewachsen in Oran (Algerien), war von zerbrechlicher Statue, zart besaitet und mit einem außergewöhnlichen Talent gesegnet. Der auf der Ile d’Oléron (Frankreich) geborene Pierre hingegen war äußerst selbstbewusst, klar strukturiert und was seine Figur anbelangte genau das Gegenteil: klein und stämmig.
Sie lernten sich im Jahr 1958 bei einem Dinner, das von der wichtigsten Pariser Gesellschaftsdame und Dior Stammkundin Marie-Louise Bousquet gehostet wurde, kennen. Es war die Zeit, als Yves seine erste Kollektion bei Dior gezeigt hatte, die mit unbestreitbaren Erfolg gefeiert wurde und zu welcher Bergé eingeladen war. Jeder wollte den Retter von Dior kennenlernen. Auch Pierre, der am hießigen Abend mit seinem Lebenspartner, dem Maler Bernard Buffet, bei Frau Bousquet erschien. Bergés erster Eindruck vom Modedesigner war der eines “seltsamen, schüchternen Jungen, der sehr enge, zugeknöpfte Jacketts trug, als versuchte er, sich gegenüber der ganzen Welt abzuschirmen.” So zumindest schrieb es mal Liz Smith in der New York Post, 1989. Für beide soll es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein.
Die Beziehung begann allerdings erst, als Bernard eine Art Dreiecksbeziehung mit Pierre und einer Annabel Schwob einging. Letztendlich heirateten Fräulein Schwob und Bernard. Pierre bezog eine Wohnung auf der Ile Saint-Louis. Yves, der damals noch Probleme mit seiner sexuellen Neigung gehabt haben soll, fand bei Pierre Zuspruch.
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2 Jahre später, 1960, kam es zu einer erschütterlichen Nachricht: Yves wurde zum Militärdienst einberufen. Allerdings war zu jenem Zeitpunkt der Algerienkrieg in vollem Gange. Die konservative Presse feierte die Einberufung des Prominenten als Siegeszug fürs Vaterland, während Freunde von ihm sagten: “Yves ein Soldat? Da könnte man genauso gut versuchen aus einem Schwan ein Krokodil zu machen!”
Yves wurde in einer Gruppenunterkunft untergebracht und musste den harten Alltag der Kaserne über sich ergehen lassen. Nach 19 Tagen brach er schließlich zusammen und wurde in das Militärkrankenhaus von Saint-Mandé am Stadtrand von Paris gebracht. Da sich sein Zustand nicht besserte und die Tagespresse Wind bekam, wurde er in eine psychiatrische Klinik verlegt. Dort jedoch schraubte sich die Tragik zum Höhepunkt: Elektroschocktherapien und Beruhigungsmedikamente raubten dem großen Talent jegliche Kräfte. Circa 40 Kilo, also Haut und Knochen, soll er gewogen haben und die Depression stärker denn je.
Genau zu jenem Zeitpunkt wurde das Ausmaß der Liebe Pierre Bergés zu Yves Saint Laurent deutlich: Er besuchte ihn jeden Tag in der Klinik, drohte mit Klagen gegenüber dem Klinikleiter und setzte alles daran, um Yves zu befreien…

Das Cover der DVD
Und an dieser Stelle mache ich einen Cut, denn ich finde, die DVD “L’amour fou” (via Amazon) von Regisseur Pierre Thoretton aus der Reihe “Test presents…” ist für jeden Modefan ein absolutes MUSS!
Oder eben mein innig geliebtes Buch “Yves Saint Laurent – Die Biographie” von Alice Rawsthorn, woraus ich auch meine Informationen für diesen Text habe. Als Rawsthorns Werk im April 2000 beim Rowohlt Taschenbuch Verlag erschien, schrieb die FAZ “…ein ausgezeichnetes Buch: Die Story eines wohl beispiellosen Mode-Imperiums, ein Lehrstück über Ökonomie und Politik.”
Photos: TEST & Amazon
Danke für den Einblick! Wird sofort gekauft!
sehr guter einblick, hatte ehrlich gesagt das schon in die hinterste ecke meines bewsstsein geparkt obwohl ich den film unbedingt sehen wollte!
jetzt weiss ich es ja wieder, danke
Sehr guter Film. Ich kann an dieser Stelle auch The last Emperor über Valentino empfehlen…